“METAMORPHOSEN – SPUREN DER ZEIT”

BaummetamorphosenSteinmetamorphosenFeuermetamorphosenEisenmetamorphosen

Künstlerisches Mittel ist u.a. die Abformung auf Leinen und Papier mit Materialien, die meist vor Ort gefunden werden wie: Erde, Asche, Steinmehl, Rost. Die Arbeiten der konzeptionellen Zyklen werden fotografisch oder mit der Videokamera dokumentiert.
Höhlenmalerei, alte Fresken, malerisch erhaltene Fragmente, den Witterungseinflüssen ausgesetzte Fassaden, Böden, Mauern mit abgefallenem Putz, Sprünge, Rillen: Spuren von der Zeit gezeichnet, mit geheimnisvollen Zeichen, bekannten und unbekannten. Mein bildnerisches Denken leitet sich bei diesen Bildern aus der Natur und ihrer Struktur ab. Ich verzichte häufig auf malerische Klänge und auf eine eigene individuelle Handschrift und experimentiere mit der natürlichen Reliefwirkung, der persönliche Strich ordnet sich dem vorhandenen Riss oder Sprung unter.

“Baummetamorphosen”

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Bäume vom Leben gezeichnet, besonders Buchen mit ihrer Rindenstruktur und ihren Augen, dazu Initialen von
Menschenhand ausgeführt. Graffiti vergangener Zeiten – er liebt sie, sie liebt ihn, wann und wo, Daten, Buchstaben,
Symbole, alles Mögliche, was den Menschen bewegt – in die Baumrinden geritzt und geschnitzt; diese Zeichen vermischen und vereinigen sich mit der Rindenstruktur zu eigenen neuen Bildern. Die Oberflächen stecken voller Geheimnisse und Geschichten. Ich nehme sie von den Bäumen ab und bearbeite sie so weit, dass die Phantasie noch angeregt bleibt.

“Steinmetamorphosen”

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Die Steinfelder, die ich in der Provence entdeckte, regten mich immer wieder zu neuen Bildern an. „Natur Figur“ nenne ich diesen Zyklus. Der Stein die Erde, der Staub, die Asche – Urmaterial – immer wieder entdecke ich in diesen Steinfeldern Spuren, die wahrscheinlich der Wind, der heftige Mistral, eingegraben hat, wie Menschen, Körper, verschlüsselte Botschaften. Ergebnisse eines natürlichen Prozesses also, nicht nur Forschungsgegenstand eines Geologen! Ist es das Material Stein, das plötzlich nicht mehr tot ist, sondern erzählt, oder ist es die Stimme des Windes, die sensibilisiert, Vergangenes assoziieren lässt. Geschehenes, aber auch völlig Unbekanntes, nie Gedachtes.

“Metamorphosen durch Feuer”

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In einem abgebrannten Haus in Frankreich entstehen neue Arbeiten. Die Atmosphäre, die dort herrscht, berührt mich tief. Leben und Tod sind hier angesprochen und werden als natürlicher Zyklus empfunden. Die Spuren, die das Feuer hinterlassen hat, erinnern an die Endlichkeit des Daseins. es ist faszinierend zu erleben, wie durch den Verbrennungsprozess Farbe und Struktur zu einer ästhetischen Einheit werden. An diesen verkohlten, verrußten und verkrusteten Wänden mit den durch das Feuer entstandenen Spannungsrissen, Spalten und Löchern – archaische Zeichen – entsteht ein neuer Zyklus, die Feuermetamorphosen.
Ich verwende nur die Farben aus der unmittelbaren Umgebung, die Asche, die Holzkohle, den verschiedenen Putz von den Wänden und das erdige Rot von den abgefallenen Ziegeln – Farben, von der Zeit und den Ereignissen verändert. Ich denke an die Feststellung von Antonio Gaudi- die Altersfärbung ist die schönste aller Färbungen. Nicht nur die Strukturen der Natur, auch ihre Farben werden für mich immer bedeutungsvoller. Zu den Naturfarben wie Erde, Asche, Sand, Kohle, Marmorstaub und Teer kommen Rostbilder hinzu.

“Eisenmetamorphosen”

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Wie bei den Baum- und Steinarbeiten begebe ich mich vorerst auf Spurensuche. Ich fühle mich häufig wie eine Archäologin. Meine Ausgrabungsfelder sind die Schrottplätze, und meine Fundstücke sind verrostete Eisenfragmente, Eisenplatten oder filigrane, rostige Bleche. Die Vergänglichkeit des Materials wirkt anregend. In langwierigen Arbeitsprozessen wird die Oxydation aufgegriffen, verstärkt und gelenkt und erlebt so einen neuen faszinierenden Ausdruck.
Es ist ein Ausflug in die Vergangenheit. Was macht die Zeit aus den Materialien? Diese Zeit, diese unendliche Zeit, die ich darin spüre, die mir im täglichen Leben immer davonrennt, immer zu knapp ist, der ich immer hinterher hetze. Hier spüre ich sie: die Gegenwart, die Vergangenheit und die Zukunft. So empfinde ich deshalb während des Schaffensprozesses Ruhe und Gelassenheit. Die von der Zeit gemalten Oberflächen und die gezeichneten
Strukturen, „lese ich auf“, sie erfahren durch mich eine Metamorphose, sie werden sichtbar als geheimnisvolle Zeichen.